Montag, 28. Mai 2018

ZWISCHENZEIT



DEUTSCHLAND. Sieben Jahre lang haben sie ihr Herzblut in die Oase, ein sozialmissionarisches Gemeindegründungsprojekt der Liebenzeller Mission im Neubrandenburger Reitbahnviertel, gesteckt. Ende April hieß es für unsere Mitarbeiter Claudia und Nikolai Bolanz mit ihren beiden Kindern, die Zelte abzubrechen, um ab Juli im französischen Montpellier eine Gemeinde zu gründen. Bis dahin sind sie in Deutschland unterwegs und berichten von ihrer Arbeit. Wir haben ihnen vier Fragen gestellt.

Wie kam es zu dem Wechsel von Neubrandenburg nach Montpellier?


Nun, die Oase ist gegründet. Das Baby ist sozusagen geboren. Es finden regelmäßig Gottesdienste statt, und so lag ein Wechsel auf der Hand. Wir wurden gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, gemeinsam mit Lisa Kimpel und Familie Dehner eine Gemeinde in Frankreich zu gründen. Wo, das war noch unklar. Und so sind wir mit ihnen betend und überlegend einige Großstädte in Frankreich abgefahren. Unabhängig voneinander kamen wir alle zu dem Schluss, dass es Montpellier sein soll – eine dynamische Großstadt mit rund 250.000 Einwohnern und nur wenigen christlichen Gemeinden.

Was werden eure Aufgaben sein?

Zunächst ist es wichtig, dass Gott uns zeigt, in welchem Stadtteil wir eine Gemeinde gründen sollen, und dass wir eine Wohnung finden. Dafür könnt ihr gerne mitbeten. Und dann natürlich die Sprache zu lernen, sich als Team zu finden, eine Vision zu entwickeln und uns mit der Frage zu beschäftigen, wie Gemeinde in Montpellier konkret aussehen muss.

Was vermisst ihr an der Oase und worauf freut ihr euch in Frankreich?

Uns fehlen die Leute, die vielen Beziehungen, die wir geknüpft hatten. Der Abschied war sehr traurig, denn das Reitbahnviertel war unser Zuhause. Dort haben wir geheiratet, unsere Kinder bekommen und viele Freunde gewonnen. Auch den kindlichen Glauben der Leute werden wir vermissen. Als es zum Beispiel einmal darum ging, dass Jesus Menschen heilte, versammelten sich unsere Oase-Ladies um eine kranke Frau, legten ihr, so wie wir es zuvor in der Bibel zusammen gelesen hatten, die Hände auf – und Gott erhörte wirklich unsere Gebete, indem er ihren Rücken heilte. Wir sind gespannt, wie es in Frankreich sein wird. Dort freuen wir uns besonders auf die Sonne, das Land, die Kultur, die Menschen – und natürlich schon jetzt auf die ersten Taufen im Mittelmeer.

Was war eines eurer schönsten Erlebnisse in letzter Zeit?

Wir bekamen ein Abschiedsbuch geschenkt, in das auch eine Jugendliche schrieb, die wir über Jahre hinweg begleitet hatten. Gerade kommt sie nur noch selten in die Oase, weil sie einen Freund hat. Sie stammt aus schwierigen Verhältnissen, hat viele Geschwister, ihre Eltern sind im Heim groß geworden, und sie hat weder eine Ausbildung noch einen Job. Sie schrieb: „Vielen Dank, dass ihr da wart. Durch euch und die Oase habe ich Gott kennengelernt. Ihr habt so viel für mich gebetet, und das werde ich auch für euch tun, wenn ihr jetzt nach Frankreich geht.“ Das war ergreifend, weil wir nicht damit rechneten, dass von ihr so etwas tief Geistliches kommen würde. Es ist schön, zu erleben, dass bei ihr die Saat aufgegangen ist.

Quelle:  http://www.liebenzell.org/liebenzeller-mission/singlenews/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=2834&cHash=1e2d6e8956b0434b03056f36ecd4eb27

Sonntag, 28. Januar 2018

Bewegende Zeit(en)


Endlich melden wir uns mal wieder als Familie. Unsere Umzugsvorbereitungen nach Frankreich bzw. die Regelungen der Nachfolge hier in der Oase nehmen uns zeitlich und auch emotional ziemlich in Beschlag. Nichtsdestotrotz versuchen wir chronologisch dort anzufangen, wo wir beim letzten Mal aufgehört haben. Im Herbst hat Claudi mit den Kids eine abenteuerliche Zugfahrt nach Schwabbach zu Oma und Opa unternommen, die sich natürlich sehr gefreut haben und wieder zu sehen.
Uroma war über unseren Besuch auch glücklich, denn inzwischen wohnt sie mit im selben Haus.
Weil sie mit ihren 90 Jahren noch immer absolut fußballbegeistert ist, sind wir mit ihr nach Stuttgart zum VFB gefahren, der noch dazu auch noch gegen Freiburg gewonnen hat. Wir waren überglücklich und es war ein genialer Abend, den wir – Andi sei Dank! – sogar im VIP-Bereich genießen durften.
 
Ein weiteres Highlight war mit Großtante Gaby ein Friseurbesuch bei Franzi. Seitdem geht er – ebenso wie Papa – nur noch selten ohne Gel in den Haaren aus dem Haus.








Kurze Zeit später fand in Mücke (Hessen) unser großes Familientreffen aller LMI-Deutschland-Mitarbeiter statt. Die Kids hatten parallel zu uns ihr eigenes Programm und waren ebenso begeistert wie wir über die tolle Zeit dort.
Dieses Team werden wir vermutlich sehr vermissen. Wir haben Freunde gewonnen und die gemeinsame bzw. ähnliche Arbeit verbindet auch über größere Entfernungen hinweg. Im März wird unser vorerst letztes LMI-Deutschlandtreffen stattfinden. Nick hat sich besonders auch darüber gefreut, sein Patenkind Elia mal wieder sehen zu können. Als wir kurz darauf Familie Farr nochmal in Berlin einen Besuch abstatteten, hatten alle Kids großen Spaß!

Wieder zurück in Neubrandenburg genossen wir die letzten wärmeren Sonnenstrahlen und waren Drachen steigen. Papa hatte mindestens ebenso viel Freude dabei wie die Kids.
 

Luca hat Sankt Martin als vorübergehenden Lieblingshelden für sich entdeckt. Die Geschichte fasziniert ihn sehr und das Highlight war dann ein „echter“ Sankt Martinsumzug mit seiner Minion-Laterne, die er ebenfalls über alles liebt. Aber König David hat es ihm ebenfalls zurzeit sehr angetan.
Auch von der Oase gibt es wieder einiges Neues zu berichten. Im Herbst durften die Kids zunächst einmal Tulpenzwiebeln vor der Oase eingraben und wir sind gespannt, wie die Wiese dann im Frühling aussehen wird. Die Kids waren begeistert bei der Sache und Luca fand es toll, seine „Bob Baumeister – Hose“ anhaben zu dürfen. 

Luca liebt nach wie vor das Klettern:
Joy lässt sich hingegen lieber mit einem Klettergurt durch die Wohnung schaukeln. 😉
Aber nicht nur Papa ist kreativ beim Spielen, sondern auch Luca. Seine „Kunstwerke“ mit allen möglichen Sachen und Materialien, bis hin zur eigenen Verkleidung, sind faszinierend. 

  
Lucas Ausdauer, zum Beispiel auch beim Bücher anschauen, ist ziemlich groß. Allerdings kann er auch schon ganz schön wütend werden, wenn etwas mal nicht so klappt, wie er es gerne hätte oder wenn ihm Joy andauernd hinterherrennt. Das aktuelle „Projekt“ ist das Trocken werden. Wir haben das Gefühl, dass das nun bald geschafft ist. Dann machen wir damit gleich bei Joy weiter, weil wir ja schon so gut in Übung sind. 😉

Lucas 3. Geburtstag haben wir auf Usedom mit einer großen Familie gefeiert. 
 
 Tja, und Joy ist nun auch schon 2 Jahre alt, die kleine Maus. 
Sie hat es nach wie vor faustdick hinter den Ohren, was man ihr auf den ersten Blick ansieht. 

Omi möchte sie mit dem Spruch: „Du bist mein Bonbon – rund und süß!“ manchmal aufziehen. Darauf erwidert Joy aber ganz selbstbewusst: „Ich bin kein Bonbon, ich bin eine JOY!“ 
 Wenn Mama nicht aufpasst, hat sie in Nullkommanichts die ganze Küche ausgeräumt. 







Aber auch Tanzen ist Joys große Leidenschaft:

In der Vorweihnachtszeit haben wir – gefühlt unendlich oft – Plätzchen gebacken. Ein großer Spaß für alle Kids: 



Und dann kam auch schon Weihnachten. Die Oase platzte bei der Weihnachtsfeier mal wieder aus allen Nähten. Unsere Oase-Käfer haben das Lied „Weihnachtsstern“ vorgesungen:
Beim Krippenspiel war Luca völlig entsetzt, weil sich der 2 Meter große Weihnachtsmann alias Aaron erdreistet hat, das Jesusbaby aus der Krippe in Marias Arme zu werfen um dann selbst Platz in der Krippe zu nehmen. Luca schimpfte darüber sehr, dass er das nicht tun darf. Der beabsichtigte Schock kam also zumindest bei Luca an. Wir wollten damit deutlich machen, dass für viele Menschen der Weihnachtsmann an Weihnachten eine größere Rolle spielt als Jesus. Vielleicht haben wir den Ein oder Anderen ein wenig zum Nachdenken gebracht. Zum Abschluss haben die größeren Kids ebenfalls noch ein tolles Lied gesungen, das die wahre Botschaft von Weihnachten enthält:
 In den Weihnachtsferien hatten wir anschließend als Familie das Vorrecht, bei Nicks Schwester Sandra in einem großen Haus wohnen zu dürfen während Sandra mit ihrer Familie in Frankreich Urlaub gemacht hat. Wir alle genossen es sehr, viel Platz zu haben. Vor allem Luca nutzte es aus, sich auch mal alleine in „sein“ Zimmer zurück zu ziehen um ganz in Ruhe spielen zu können. Wir haben einige Ausflüge unternommen.
 Omi und Opi freuten sich sehr darüber, dass wir nun in ihrer Nähe wohnten und so verbrachten wir viel Zeit miteinander. 

Auf dem Weihnachtsmarkt sind wir sogar Schlittschuh gelaufen!
  
In die Berge sind wir auch mal zum Schlitten fahren gefahren.
Kurze Zeit später hatte es dann sogar kurz zuhause Schnee!
Doch zu Silvester „mussten“ wir wieder zurück nach NB, weil in dieser Zeit oft kleine Anschläge auf die Oase verübt werden. Erst im vergangenen Jahr wurde an Silvester eine Türe der Oase kaputt gesprengt. Hier herrschen an Silvester fast schon bürgerkriegsähnliche Zustände. Gott sei Dank ist in diesem Jahr nichts passiert. Aber es war gut, dass Nick mit Oasefreund Marco vor Ort war um aufzupassen.
Das neue Jahr begann mit Oase-Klausurtagen auf Usedom. Unsere „Oase-Vision 2.0“ lautet:
„Wir wollen, dass Menschen verschiedener sozialer Herkunft Jesus Christus kennen, sie begeistert mit IHM leben, IHM leidenschaftlich nachfolgen, in ihren Lebensbereichen Verantwortung übernehmen und dadurch als Multiplikatoren ihr Umfeld positiv prägen.“
Das ist natürlich ein „steiler“ Satz, aber wir beten und tun unser Bestes, dass diese Worte in der Oase bald Wirklichkeit werden. Betet ihr mit?
Ein Teil der Klausurtage bestand darin, sich als Ehepaar zu überlegen, wofür wir im letzten Jahr in Bezug auf die Oase dankbar sein können und symbolisch Gott einen Dankaltar bauen. Wir sind daraufhin als Paar am Strand entlanggelaufen, aber es gab weit und breit kein Material, mit dem man einen Altar gut hätte bauen können. Irgendwie war es mir wichtig, den Altar nicht nur symbolisch, sondern „richtig“ zu bauen. Plötzlich fiel mein Blick auf kleine Muscheln, die im Sand lagen. Ich versuchte sie einigermaßen aufzutürmen, aber sehr „üppig“ wurde der Altar nicht.
Mein Eindruck war, dass dieser Altar aber mit meiner subjektiven Realität kompatibel ist. Mir war, als ob Gott sagt: „Auch wenn du weit und breit nicht das „Material“ siehst, das du vielleicht gerne hättest, so schenke ich dir doch einen Ersatz. Dieser Ersatz ist zwar nicht so wie du es dir gedacht hast, aber es kommt beim Dank nicht auf den Umfang an, sondern auf das Innere, das du damit verbindest. Manche Muscheln sind zwar zerbrochen und nicht mehr so schön, aber dennoch können sie als EIN Teil des Ganzen mit dazu beitragen, dass ein kleiner Dankalter entsteht. Das ist für mich symbolisch die Oase.
Eine andere Art von Altar konnten wir beim diesjährigen Auftaktgottesdient im Rahmen der Allianz-Gebetswoche in einer großen Nachbargemeinde bestaunen. Für den größten Lacher im gesamten Gottesdienst sorgte Joy, als sie Papa nach vorne laufen sah und in die Stille von der Empore herunter lautstark rief: „Das ist der Papa, das ist der Papa!“ Über Joys Sehschärfe muss ich mir seitdem zumindest erst mal keine Gedanken mehr machen. 😉
Luca war vom großen Gospelchor sehr fasziniert. Neuerdings darf er in der Oase bei „Kids probieren Musik“ mitmachen. Chris macht mit ihm etliche Experimente im musikalischen Bereich und Luca freut sich immer schon die ganze Woche auf diese paar Minuten. 
 

Er scheint ein ebenso feines Gehör wie Papa zu haben und das Rhythmusgefühl hat er glücklicherweise ebenfalls von ihm, Gott sei Dank!
 So ganz anders als traditionelle Gottesdienste sind „unsere“ Oase-Gottesdienste. Ein Bewerber meinte erst neulich zu uns: „Also eure Gottesdienste sind echt ein Unikat. Sie passen einfach total hierher und sind absolut authentisch.“ Da uns das Thema „Jüngerschaft“ in letzter Zeit sehr wichtig geworden ist, versuchen wir unsere Oase-Leute auch beim Gottesdienst direkt mit einzubinden. Maria, ein Urgestein aus unserem Viertel, macht zum Beispiel immer die Begrüßung. Sie ist einfach prädestiniert dafür und bringt es hin, dass ihr auch der letzte Zuhörer gebannt bei den Ansagen zuhört und beim Gebet mitbetet. Beim Lobpreis singt ein Mädchen von den Oase-Kids mit, die eine tolle Stimme hat, und vor der Bühne machen die größeren Kids Bewegungen dazu mit. 
 Vor der Predigt dürfen sie dann in ihr eigenes Programm. 

Alle Gottesdienstbesucher bilden mit ihren Armen einen Segenstunnel, durch den die Kids mit den Mitarbeitern hindurchlaufen dürfen und dabei von allen gesegnet werden. 
Für die Kleinkinder gibt es einen Krabbelraum, in dem die Eltern über Funkkopfhörer die Predigt mitverfolgen können. Nach dem Gottesdienst wird, wenn es nicht gerade eiskalt ist, draußen oft gegrillt. Silvio und Marco sind hier unsere Ober-Grillmeister, die es hinbekommen, dass innerhalb kürzester Zeit alle etwas Gegrilltes auf ihrem Teller haben.
 Die Gemeinschaft nach den Gottesdiensten ist besonders und wir sitzen noch lange beieinander.
Auch bei den Oase-Käfern gibt es Neuigkeiten: "Alt", aber bewährt ist zwar, dass wir noch immer gemeinsam mit den (älteren) Oase-Kids Lobpreis machen:
Und auch, dass wir unseren Oase-Käfern vermitteln, dass sie als "Königskinder" unendlich wertvoll, kostbar und von Gott geliebt sind:
 
Neu ist aber, dass sich ein paar Teenie-Mädchen, die inzwischen für die Oase-Kids zu groß geworden sind, ehrenamtlich bei den Oase-Käfern mit einbringen. Mittlerweile übernehmen sie schon verschiedene Teile selbstständig, wie zum Beispiel die Begrüßung mit einer Handpuppe oder die Vorbereitung von Bastelideen. 
 
 Sehr gerne machen sie auch als Figuren beim Anspiel mit. 

Und nebenbei lernen die Mädchen selbst neue Geschichten aus der Bibel kennen, die sie dann gleich wieder den kleinen Kids weitererzählen. 

Wir helfen ihnen also, zu einem Vorbild für die Oase-Kids zu werden und begleiten die Teenies auch im persönlichen Bereich. Becky hat inzwischen die Leitung der Oase-Käfer übernommen und so fällt es Claudi – zumindest in dieser Hinsicht – nicht ganz so schwer Ende April zu gehen, weil wir wissen, dass die Nachfolge, zumindest in diesem Bereich, sehr gut geregelt ist.
Allerdings werden wir vermutlich viele Tränen vergießen, wenn es dann dran ist nicht nur von unseren lieb gewonnenen Oase-Leuten Abschied nehmen zu müssen, sondern auch von unserem Leitungsteam. Wir sind zwar alle ziemlich unterschiedlich, aber wir haben uns einfach fast schon perfekt ergänzt und es ist wie eine kleine Familie entstanden.
 Wie wird es in Montpellier dann bald wohl, zunächst einmal ohne „Ersatzoma“ Elli und „Ersatzopa“ Herbert weitergehen?

Wenn ich daran denke, kommen mir schon jetzt die Tränen. Auch die Kids werden sie vermissen. Lasst uns gemeinsam dafür beten, dass wir auch in Montpellier schnell solch liebevolle „Großeltern“ für die Kids finden werden.
In dieser Zeit des Umbruchs spricht Gott sehr stark über Luca und Joy zu uns:
Welche große Wahrheit steckt in Lucas spontanem Lobpreis!

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. 
Seid ganz reich gesegnet!
 Eure 4 Bolanzens
Nick & Claudi mit Luca & Joy
"Unser" Reitbahnsee